Unternehmenstransaktionen im europäischen Mittelstand

Bildquelle: by_Rolf Handke_pixelio.de

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In der EU fallen 99% aller Unternehmen unter die Definition der kleinen und mittleren Unternehmen. Danach beziffert die EU-Kommission das klassische Mittelstandsunternehmen auf 50 bis 250 Mitarbeiter mit einem Umsatz zwischen 10 und 50 Mio. Euro. Wer weniger als 10 Mitarbeiter und einen Umsatz unter 2 Mio. Euro vorweist, zählt zu den Kleinunternehmen. Klein- und Mittelstandsunternehmen sind in Europa die wichtigste Antriebskraft für Wachstum. Viele davon sind in Familienbesitz und stehen früher oder später vor der Frage der Fortführung, wenn der Eigentümer austritt und sich in der Familie kein Nachfolger finden lässt. Als einzige Lösung bleibt der Verkauf des Unternehmens an einen neuen Eigentümer.

Bei einem Unternehmensverkauf gibt es einige Standardszenarien, das bekannteste davon ist das Ausscheiden des Inhabers aus Altersgründen. Wenn sich in der Familie keine automatische Nachfolge ergibt, muss der Inhaber verkaufen. Ein weiteres, heute sehr oft anzutreffendes Szenario ist der von vornherein geplante Verkauf eines Start-up-Unternehmens, der sogar mit den Venture-Capital-Gebern vertraglich vereinbart wurde. Die dritte Variante ergibt sich nach Restrukturierungen, einem Konzernumbau oder der Ausgliederung eines Teilbereichs aus dem Konzern, der verkauft wird – für große Unternehmen ein zwar nicht alltäglicher, doch sehr bekannter Vorgang.

Die wichtigsten Fragen beim Unternehmensverkauf

Es stellen sich bei jedem Verkauf eines Unternehmens drei Fragenkomplexe, die jeder für sich sehr umfänglich ausfallen:

  • Wie ist ein Käufer zu finden? – In der Regel erfolgt zuerst die Ansprache von Wettbewerbern, Mitarbeitern, Kunden oder Lieferanten, doch das kann erfolglos bleiben.
  • Wie ist das Unternehmen zu bewerten? – Diese sehr komplexe Frage beinhaltet auch steuerliche Aspekte, die keinesfalls zu vernachlässigen sind. Wer sein Unternehmen verschleudert, weil er „abwicklungsmüde“ wurde, muss mit der Forderung des Finanzamtes nach den Steuern auf den geschätzten Wert rechnen.
  • Wie wird ein Unternehmen verkauft, übergeben oder abgewickelt? – Hier sollten Spezialisten auftreten, denn ohne Sachkenntnis macht auch ein langgedienter Inhaber Fehler. Die moderne Unternehmensbewertung erfolgt nach den in Basel II und seit 2013 in Basel III festgelegten Richtlinien. Hiermit kann schlimmstenfalls auch der eigene Steuerberater überfordert sein, zumal Schätzungen einfließen.

Es gibt auf Unternehmensverkäufe spezialisierte Firmen und freie Berater. Die Industrie- und Handelskammern beraten die Inhaber und Kaufinteressenten kostenlos in einem etwa einstündigen Gespräch, liefern Infomaterial und stellen auf ihren Homepages wichtige Adressen bereit. Auch Branchenverbände können helfen, einen Käufer zu finden und gegebenenfalls Abwicklungsmodalitäten zu erläutern.

Wer kauft das Unternehmen?

Interessenten an einem Unternehmen gibt es prinzipiell immer. Ein Unternehmen ist eine gewachsene Einheit mit betriebswirtschaftlichem, technischem und unternehmerischem Know-how, einer Marktposition und Marke, Kontakten zu Kunden und Lieferanten inklusive ausgehandelter Preis- und Lieferbedingungen sowie einer internen sozialen Struktur. Selbst wenn eine Firma im letzten Jahr rote Zahlen geschrieben hat, ist sie regelmäßig mehr wert als ihr Maschinenpark und ihr Warenlager. Arbeitnehmer, oft aus der mittleren bis oberen Leitungsebene, möchten sich manchmal selbstständig machen und trauen sich die Inhaberschaft und Führung eines Unternehmens zu. Sie können selbst liquide sein beziehungsweise attraktive Finanzierungsmöglichkeiten ermittelt haben. Daher ist nicht das Ob, sondern immer das Wie die Kernfrage beim Unternehmensverkauf.

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